Bahnhof Russee - Rund um den Russee

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Bahnhof Russee

Geschichtskreis

Der Bahnhof Russee – eine Kurzchronik


Die Königlichen Preußischen Staatseisenbahnen eröffneten am 15. Oktober 1904 die Eisenbahnstrecke Kiel – Rendsburg, mit der Kiel mit Husum verbunden werden konnte. Der Bau von Eisenbahnen war wesentlicher Teil preußischer Innen- und Verteidigungspolitik: zum einen war die Eisenbahn ein sehr gutes Transportmittel, um günstig und schnell vor allem landwirtschaftliche Erzeugnisse von den dörflichen Regionen in die Großstädte zu transportieren. Auch konnten Arbeiter, die oft keinen bezahlbaren Wohnraum in den Städten fanden, schnell und günstig zu ihren Arbeitsplätzen in den Städten fahren. Zum anderen forderte das preußische Militär mehr Eisenbahnstrecken, um von möglichst jeden Ort im Königreich Preußen aus größere Truppen schnell und effizient verlegen zu können, insbesondere an die preußische Ostgrenze.

Im Juni 1905 wurde an dieser Strecke ein Haltepunkt in Russee eingerichtet. Zu dieser Zeit wohnten bereits viele Menschen, die als Arbeiter in Kiel wohnten. Kiel hat nach der Reichsgründung eine enormen Aufstieg und Wachstum erlebt; so wuchs die Einwohnerzahl zwischen 1864 und 1900 von 18.770 Einwohnern auf 108.000 Einwohner. Der Siedlungsdruck Kiels wurde an das Umland weitergegeben. In Russee wohnten vor allem Werftarbeiter, für die die Eisenbahn eine Erleichterung darstellte. Nicht wenige mußten bis dahin den Arbeitsweg zu Fuß oder per Fahrrad zurücklegen. Andere Verkehrsmittel wie die Postkutsche waren zu teuer für das Lohnniveau und hätten auch nicht die Menge an Menschen transportieren können.
Die Gemeinde Russee erbaute in den Jahren 1904 und 1905 auf eigene Kosten ein Bahnhofsgebäude, das neben einer Dienstwohnung auch Betriebsräume beinhaltete. Nach derzeitigen Forschungsstand besaß das Gebäude aber keinen Warteraum für Reisende oder einen festen Fahrkartenschalter; ebenso scheint ein Dienstraum, zu dem sich Fahrgäste an den Stationsvorsteher wenden konnte. Offensichtlich war das Bahnhofsgebäude mehr Betriebsgebäude denn Empfangsgebäude.
Die Finanzierung von Bahnhofsinfrastruktur durch dritte wie Privatpersonen oder Kommunen war ein durchaus übliches Verfahren bei den Königlichen Preußischen Staatseisenbahnen. Anders war der Aufbau der Eisenbahninfrastruktur auch nicht zu finanzieren. Die Gemeinde Russee schenkte das Gebäude später der Staatseisenbahn.
Die Fahrgastzahlen stiegen so sehr an, daß 1914 Planungen über den Anbau einen Dienst- und Warteraumes aufgenommen wurden. Dieser Anbau wurde dann 1915 errichtet und ist auf Fotografien auch erkennbar. Damit wurde das Gebäude zum echten Empfangsgebäude, also einen Bahnhof im landläufigen Sinne. Der Bahnhofsvorsteher konnte so seine Aufsichtspflichten dann auch von einem wettergeschützten Raum aus erfüllen. Bemerkenswert sind auch Pläne für den Einbau einer Toilettenanlage in einem Stallgebäude. Ob dieses auch umgesetzt wurde, ist unklar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere nach 1960, nahmen die Fahrgastzahlen ab. Auch konnten durch moderne Techniken größere Streckenabschnitte von einem einzigen Punkt aus gesteuert werden. So wurden bald Stationsvorsteher an kleineren Haltepunkten überflüssig. Das Bahnhofsgebäude Russee verlor dadurch auch seine Funktion und wurde um 1972 abgerissen.  Zum Sommerfahrplan 1984 wurde der Haltepunkt Russee aufgehoben. Seitdem hielt kein Zug mehr dort. Die Reaktivierung des Haltepunktes erfolgt 2015, nachdem 2014/15 der Haltepunkt baulich neu errichtet worden ist. Das Bahnhofsgebäude, fehlt dabei als architektonischer Marke, das an einem Haltepunkt heute andere öffentliche oder soziale Zwecke erfüllen könnte.

Russeer Bahnhof 1917

Russeer Bahnhof 1967

 
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